Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Hadamar. Jeder ist beteiligt beim Generationen-Treffen von Großeltern und Enkeln: Annkatrin malt, Oma Marianne Bieber (links) schaut zu, und Märchenpädagogin Christiane Brandeburg-Röder erzählt die Geschichte von der "Königstochter in der Flammenburg". Foto: Bohnhorst-VollmerWie gut, dass Oma Gabi dabei ist, wird sich die kleine Malina denken. Man weiß ja nie, wie die Geschichte von der "Königstochter in der Flammenburg" weitergeht, die Märchenpädagogin Christiane Brandeburg-Röder ihr und den anderen sieben Kindern erzählt. Von einer großen, bunten Himmelswiese mit Sternenblumen handelt die Geschichte und von einem Stier, der seinem jungen Herrn helfen will, einen bösen, zwölfköpfigen Drachen zu töten. Denn der hat die schöne Königstochter entführt.
Das ist so spannend, finden die dreijährige Malina und ihre um ein Jahr ältere Cousine Emma, dass Oma Gabi unbedingt bei ihnen sitzen bleiben muss. Gabi Pressler aus Lindenholzhausen ist gern dabei. Ihr gefällt die Veranstaltungsreihe "Generationen treffen sich – Treffpunkt Großeltern und Enkel", weil "man da viele Anregungen bekommt, und weil die Kinder etwas Neues erleben", sagt sie.
Aus einer anderen Zeit
"Großeltern sind interessant für Kinder, weil sie aus einer anderen Zeit kommen und von ihr erzählen können", sagt Heike Margraf, die Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte. Aber nicht nur die Familienkonstellationen hätten sich im Laufe der vergangenen Jahre dramatisch verändert, weil die Zahl der Alleinerziehenden gestiegen ist oder weil beide Eltern arbeiten. Auch das Verhältnis der Generationen zueinander habe sich grundlegend gewandelt. Früher habe es eher Vorbehalte gegen die "Erziehungsleistung" der Großeltern gegeben. Oma und Opa hätten ein schlechtes Image gehabt, ihre Kinder warfen ihnen oft vor, sie würden ihre Enkelkinder nur verwöhnen. Und in pädagogischen Ratgebern hieß es, sie seien körperlich und geistig nicht fit genug, um sich um ihre Enkelkinder zu kümmern. Auf die Großeltern in der Großeltern- und Enkelgruppe trifft das jedenfalls nicht zu.
Zeit füreinander
Gemeinsam beten
Seit Dezember 2009 lädt die Katholische Familienbildungsstätte viermal im Jahr zu dieser Veranstaltung ein. Jedes Mal sorgt eine pädagogische Fachkraft für den "methodischen Input", berichtet Heike Margraf. Es wird zusammen gespielt, gesungen, gebetet und gemeinsam zu Mittag gegessen.
An diesem Vormittag sitzen sieben Großmütter und ein Großvater mit den Kindern an großen Tischen und malen die Himmelswiese und den bösen Drachen aus dem Märchen, und Joshua aus Niederselters malt noch eine Sonne auf sein Papier, die so hell strahlt, dass er ihr schnell eine Sonnenbrille verpasst. Großmutter Brigitte Nauheim sitzt daneben und lächelt. "Joshua lebt nur bei der Mama. Deshalb möchte ich mit ihm schöne Sache machen."
Ein paar Stühle von Joshua entfernt sitzt die kleine Malina, die eigentlich in Friedberg wohnt, aber sehr oft bei ihrer Großmutter ist. Und die wird jetzt auch ein bisschen angemalt mit roten und blauen Strichen. Die Oma stört das nicht. Bei den eigenen Enkeln sei man doch sehr viel gelassener als man es bei den eigenen Kindern war, sagt Heike Margraf. "Für die eigenen Kinder hatte man ja nicht so viel Zeit", sagt Elisabeth Löw. Und ein Auto, um Ausflüge zu unternehmen, sei auch nicht dagewesen. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef kommt sie regelmäßig mit den Enkeln Mika und Nele zum Großeltern-Enkel-Treff – obwohl die Kinder im selben Haus wohnen. Ob es dann überhaupt notwendig sei, von Lindenholzhausen nach Hadamar zu fahren, um an einer organisierten Veranstaltung teilzunehmen? Ob man denn zu Hause nicht genug Möglichkeiten habe, sich mit den Enkeln zu beschäftigen? "Selbstverständlich", sagt Elisabeth Löw. Trotzdem brauchten die Kinder dieses Gruppenerlebnis, und außerdem gebe es hier immer auch ein besonderes Programm.
Auf einem Bauernhof war die Gruppe beispielsweise schon einmal, und in der Vorweihnachtszeit wurden Engel gefilzt, die zwar nicht unbedingt zum restlichen Weihnachtsschmuck passten, aber die die Kinder mit großer Hingabe angefertigt hatten.
Zeit für die Eltern
Von diesem abwechslungsreichen Angebot schwärmen auch Marianne Schmidt aus Elz und ihre Schwägerin Marianne Bieber aus Thalheim. Von Anfang an sei sie mit ihrem Enkelsohn Luis dabei gewesen, erzählt Marianne Schmidt. Aber der ist inzwischen acht Jahre alt und eigentlich zu groß für diese Gruppe. Daher kommt sie jetzt mit seiner kleinen Schwester Lina, und Cousine Annkatrin. Sie malt und bastelt mit dem fünfjährigen Mädchen, tauscht sich mit den anderen Großeltern aus, und "die Eltern haben dann mal Zeit für andere Erledigungen".
Manches sei heute doch viel leichter, sagt sie und hält Lina den Malkasten hin. Unbekümmert pinselt die Kleine weiter an ihrer Himmelswiese, über die – jedenfalls am Ende des Märchens – der junge Herr schreiten wird, weil er den bösen Drachen bezwungen hat und die schöne Königstochter heiraten darf.
Der nächste Großeltern- und Enkel-Treffpunkt findet am Samstag, 16. Juni, in der Katholischen Familienbildungsstätte in Hadamar, Bernardusweg 6, statt. Anmelden kann man sich vormittags zwischen 8 Uhr 30 und 12 Uhr unter der Telefonnummer (0 64 33) 8 87 75; oder per E-Mail: kath.fbs.limburg@bistumlimburg.de